Belarus: Wieder soll ein böser Mann die Macht abgeben

Eigentlich ist das Urteil über die Proteste in Belarus längst gefällt: Der „letzte Diktator Europas“ hat die Wahlen vom 9. August offensichtlich gefälscht. Er lässt Demonstrierende auf der Straße mit brutaler Gewalt unterdrücken. So etwas mag im demokratischen Frankreich gegen den Protest der Gelbwesten normal und legitim sein und im Fall der „G20 Proteste in Hamburg“ gegen „linksradikale Chaoten“ sogar notwendig. In Belarus hingegen bekräftigt jeder Polizeieinsatz nur eines: Das System Lukaschenko muss weg! Mehr muss man als kritische EU-Bürger*in über dieses „System“ eigentlich gar nicht wissen. Auch die Kenntnisse über „die Opposition“ bleiben angenehm übersichtlich. Die guten Leute in Minsk sind für Demokratie und gegen Diktatur. Unwichtig die Frage, was der Koordinierungsrat der Opposition denn anders machen will, wenn er demokratisch ermächtigt wird, über das Schicksal von ca. 10 Millionen Menschen zu gebieten. Und geradezu ketzerisch wäre die Frage: Was haben die Menschen in Belarus, Ukraine und BRD eigentlich von der demokratischen Konkurrenz um die Macht? Fest steht: Die Protestierenden sind einfach zu unterstützen. Schlicht weil: mutige Frauen, tapfere Rentner und furchtlose Studenten. Selbst die Partei Die Linke solidarisiert sich mit den „Protesten gegen das autokratische System, in dem demokratische Wahlen seit Jahren eine Farce sind“.
Wer darüber hinaus etwas über das Land erfahren möchte, beispielsweise wie das Leben in dem postsowjetischen Staat aussieht und woraus sich die aktuelle Unzufriedenheit der Protestierenden speist, erfährt aus der Tagespresse eher wenig. Wer auf unvoreingenommene Berichterstattung drängt und sich mit dem präsentierten Freund/Feind-Schema nicht zufrieden gibt, wird schnell ins gesellschaftliche Abseits gedrängt. Gruppe K lässt sich von diesen Herrschaftstechniken der Marginalisierung und Verächtlichmachung nicht beeindrucken. Wir bilden uns bekanntlich gerne unbefangen ein eigenes Urteil und möchten dazu mit Euch die folgenden Fragen diskutieren:
Wie ist der belarussische Staat beschaffen? Worin unterscheidet er sich von den anderen Zerfallsprodukten der ehemaligen Sowjetunion?
Wie funktioniert die Ökonomie in Belarus?
Woher kommt die Unzufriedenheit der Protestierenden?
Wie sieht das Verhältnis zu Russland, EU und USA aus?
Welche Interessen treiben die Europäischen Länder um, wenn sie die Absetzung der dortigen Regierung offen fördern?
Was können sich die belorussischen Demonstrierenden von der Demokratie und freier Marktwirtschaft erwarten?

Mittwoch, 07. Oktober, 19 – 22 Uhr Bahnhof Langendreer, Raum 6