Europa gut, Trump böse?

Für deutsche Journalisten und deutsche Politiker steht fest, dass Trump ein durchgedrehter und egomanischer Störenfried ist, der mit seinen Alleingängen die Weltordnung in Frage stellt, während Europa um Vernunft, Frieden und Freihandel ringt. So sollen “wir Bürger” die Weltlage natürlich auch sehen. Aber stimmt das auch?

Wenn man der vorherrschenden Sichtweise glaubt, dann will Trump aus persönlicher Geltungssucht und um wiedergewählt zu werden, der Welt einen Handelskrieg aufzwingen, während die weltweiten Geschäfte ohne ihn eigentlich zur allgemeinen Zufriedenheit und zum allgemeinen Wohlstand auch auf der anderen Seite des Atlantiks weiter laufen könnten. Einen systematischen Grund für Handelskonflikte, -krisen und -kriege zwischen den Wirtschaftsblöcken können die Zuständigen jedenfalls nicht entdecken…

“Europa” tritt nach deutscher Lesart “geeint” für lauter unbestreitbar gute Werte ein und will für eine friedlichere Welt sorgen – ein Vorhaben, das nun gewissermaßen aus heiterem Himmel von einem amerikanischen Rechtspopulisten gestört wird…

Angesichts dieser nicht ganz so einsichtigen Darstellungen der Presse drängen sich die Folgenden Fragen auf, die wir diskutieren wollen:

  • Was ist dran an der Vorstellung eines internationalen Freihandels zum Wohle aller versus nationalem Protektionismus, bei dem angeblich alle verlieren?
  • Was stört Donald Trump eigentlich an den deutschen Exporterfolgen?
  • Hat Trump recht mit der Feststellung, Europa sei nicht (mehr) engster Verbündeter, sondern Konkurrent der USA?

Diskussionstermin
Mittwoch, 08. August um 19.00h im Bahnhof Langendreer, Raum 6

Kein Hoch auf „uns“!
Eine Kritik an Nation, Nationalismus und Patriotismus

„Der Fußball bringt uns zusammen, wie kaum etwas anderes“. Genau das kann man in diesen Wochen der Fußball-WM sehen. Da kann man Flagge zeigen und gemeinsam Deutschland die Daumen drücken. Neben der Freude am Sport wird nämlich hauptsächlich etwas anderes gefeiert: Der Erfolg des eigenen Landes und das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl drum herum.

Ein „gesunder“ Patriotismus für das eigene Land gilt nicht nur in Zeiten der Weltmeisterschaft als etwas Selbstverständliches, sogar Natürliches. Für die Liebe zur Nation muss man nicht argumentieren. Schon die Frage nach Gründen, warum die Leute eigentlich stolz auf ihr Heimatland sind, wirkt seltsam. Diese Selbstverständlichkeit wollen wir hinterfragen und uns Klarheit darüber verschaffen, was das eigent- lich ist – die Nation und das zu ihr gehörende nationale Gefühl.

Dazu wollen wir folgende Thesen zur Diskussion stellen:

  1. Deutschland ist eine Klassengesellschaft, die auf Gegensätzen zwischen ihren Mitgliedern und zwischen Herrschaft und Volk beruht. Das vielbeschworene „Wir“ ist in Wahrheit ein ständi-ges Gegeneinander. Das Feiern der Nation als ideelle Gemeinschaft verklärt diese Gesellschaft zu einem großen Ganzen.
  2. Nation ist die Verklärung eines Zwangszusammenhanges. Die Menschen sind per Gewalt einer Herrschaft unterworfen, die sie zu ihren Staatsbürgern erklärt und für ihre Zwecke einspannt.
  3. Die klassischen Begründungen für die nationale Gemeinschaft sind unhaltbar: Ihre Herleitung aus Sprache, Kultur, Geschichte, Religion oder Abstammung sind konstruiert. So populär diese Vorstellungen sind – von ihnen hängt nichts ab, weder die Existenz der Nation noch das nati- onale Gefühl ihrer Mitglieder.
  4. Die Liebe zur Nation hat ihren Ursprung in dieser Gesellschaft selbst. Die Menschen wollen den Erfolg ihres Landes, weil sie auf Gedeih und Verderb von diesem abhängig sind.
  5. Nation braucht Identifikation, die mit Nationalfahnen, Hymnen, Feiertagen und nationalen Sportereignissen gepflegt wird.
  6. Zwischen gutem Patriotismus und bösem Nationalismus kann man nicht trennen.

Über diese Thesen möchten wir mit euch diskutieren
am Mittwoch, den 04.07.2018, 19 Uhr im Bahnhof Langendreer, Raum 6

Kritik der Sozialen Arbeit

 

Sozial motiviert sind irgendwie alle, die ein Studium der Sozialen Arbeit beginnen. Sie wollen mit Menschen arbeiten und ihnen in Notlagen helfen – und das nicht ehrenamtlich in ihrer Freizeit, sondern in einem anerkannten Beruf.

Das Tätigkeitsfeld ist ein breites Spektrum prekärer Existenzen, das von verwahrlosten Jugendlichen, arbeitslosen Erwachsenen, verarmten Rentnern, nicht integrierten Ausländern und Flüchtlingen bis zu Behinderten, Missbrauchsopfern, Drogenabhängigen, Straffälligen, – oder die, die es noch werden können, reicht. Jedem einzelnen von ihnen will die Soziale Arbeit helfen, mit seinen Problemen zurechtzukommen.

Frage: Wie sieht die „Hilfe“ in der Sozialen Arbeit aus? Stimmt die Diagnose überhaupt, dass das große Problem von Millionen Sozialfällen darin liegt, dass sie ihr Leben nicht selbst bewältigen können? Und was ist überhaupt vom Ideal der Hilfe zur Selbsthilfe zuhalten?

Unsere Behauptung: Soziale Arbeit hilft Menschen nicht aus Armut und Not herauszukommen. Soziale Arbeit betreut Menschen in Armut und Not!

Die Behauptung wollen wir an verschiedenen Handlungsfeldern beweisen.

Kritische Sozialarbeiter haben, trotz neu entwickelten Ansätzen und Methoden, eine dauerhafte Kritik an der Praxis. Zu unterfinanziert, zu geringer Personalschlüssel, zu viel Bürokratie und nicht selten wird aus einem Idealisten der Sozialen Arbeit ein Zyniker…

Frage: Warum ist im Sozialbereich notorisch „zu wenig Geld“ da und warum sind alle Einrichtungen personell unterbesetzt?

Diskussionstermin am
 Mittwoch, den 6. Juni 2018, 19 Uhr

Bahnhof Langendreer, Bochum, Raum 6

 

Gewerkschaft: DGB

Deutschlands Erfolg auf unsere Kosten – dabei hilft der DGB!

  • Der DGB steht programmatisch für Sozialpartnerschaft: Er weiß zwar „theoretisch“irgendwo um den Gegensatz der Interessen von Kapital und Arbeit, meint aber, dass die- ser Gegensatz vereinbar sei – solange er selbst nur überall mitverhandeln darf.
  • Der DGB steht programmatisch für Standortnationalismus: Er erkennt an, dass es Arbeitsplätze nur gibt, wenn die Kapitalisten hier mit der Arbeit Gewinn machen können. Er tritt deshalb offensiv für deutsches Wirtschaftswachstum zum Schaden der Beschäftig- ten und der Umwelt hier und zum Nachteil anderer Länder ein.
  • Der DGB hilft dem Kapitalwachstum auf die Sprünge: Er trägt Reallohnsenkungen mit, stimmt Entlassungen zu, hat die Agenda 2010 mit verabschiedet und damit prekäre Be- schäftigungsverhältnisse ermöglicht – auf Kosten ALLER Lohnabhängigen.
  • Der DGB macht sich mit dieser Politik als Interessenvertretung zunehmend über- flüssig: Er hat zunächst aus AktivistInnen einer Arbeiterbewegung Karteileichen seiner Organisation gemacht, die inzwischen auch nicht mehr wissen, was sie von ihm haben. Mitgliederzahlen 1990: 11,8 Mio. / 2017: 5,9 Mio.
  • Der DGB definiert Solidarität um: Aus dem Kampfmittel der internationalen Arbeiterbewegung hat er einen Wert des nationalen Zusammenhalts gemacht.
  • Die Heuchelei des DGB ist offensichtlich:
    • Er vereinnahmt linke AktivistInnen für sich und seine Aktivitäten und bekämpft deren Ziele und Organisationen zugleich mit Unvereinbarkeitsbeschlüssen.
    • Er gibt sich parteipolitisch unabhängig und ist doch faktisch ein SPD-geführter Haufen.
    • Er behauptet gegen Niedriglöhne und Altersarmut anzukämpfen, und hat doch alle diese Zustände politisch mitverantwortet. Hartz IV – Das wart Ihr!
    • Er beschwört Solidarität mit Protesten weltweit und steht doch fest an der Seite deutscher Unternehmen und der deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik.

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Der DGB hat aus Gewerkschaften als Instrumente des Klassenkampfes die nationale Verwaltung der Lohnabhängigen gemacht. Hand in Hand mit Staat und Kapital will er die sozia- len Folgen der Ausbeutung von Mensch und Natur sozial / gerecht / fair und solidarisch mitgestalten. Er kämpft gegen Wirkungen – nicht gegen Ursachen!

Wer mit den Resultaten dieser Linie unzufrieden ist, der sollte auch mit der Illusion brechen, von der sie getragen ist – nämlich mit der unbegründeten Hoffnung, dass die Interessen der Lohnabhängigen doch irgendwann, irgendwo, irgendwie mit der kapitalistischen Benutzung dieses Landes vereinbar werden.

Wir sind für eine Gewerkschaft, die den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit offensiv in der Absicht austrägt, dass wir die Wirkungen nur dauerhaft beseitigen können, wenn wir die Ursachen angehen:

Nieder mit dem Lohnsystem!

Schule im Kapitalismus

Schule im Kapitalismus

Die Schule ist schon eine seltsame Sache. Wenn man den PädagogInnen glauben schenkt, so

  • dient sie der „Entfaltung der Persönlichkeit“ des Kindes
  • lernen SchülerInnen hier die wichtigsten „Kenntnisse und Fähigkeiten fürs Leben“
  • bereitet sie die junge Generation „auf ihre Zukunft“ in Beruf und Alltag vor
  • will sie „jedem einzelnen Kind“ individuell gerecht werden, indem eigens dafür an Universitäten ausgebildete PädagogInnen Tag für Tag unterrichten, erziehen, beraten, helfen, unterstützen, beurteilen, evaluieren, vermitteln…
  • ist sie ein „Ort des Miteinanders“, in dem das „Lernen in Gemeinschaft“ Freude macht
  • bietet sie allen Kindern „die Chance zum Aufstieg“ und das auch noch „unabhängig von ihrer sozialen Herkunft “

Aus Schülersicht stellt sich die Sache seit jeher bekanntlich etwas anders dar:

Dinge lernen, die einen nicht interessieren und „die kein Mensch braucht“. Die Stunden sind öde und ziehen sich endlos. Gruppenarbeit, Plakate malen, Hausaufgaben, die einem die wenige Freizeit rauben. Und dann noch nachmittags Sport. Wer sich für andere Dinge während des Unterrichts interessiert, muss mit Strafe rechnen, zumindest aber mit schlechten Noten. Wirklich wichtige Dinge fürs Leben erfährt man hier jedenfalls selten bis nie – zumindest nicht im Unterricht.

Und interessiert einen mal eine Sache wirklich und man versteht auch noch den Lernstoff, so muss man mit Verachtung durch die lieben MitschülerInnen rechnen. Überhaupt, die stets beschworene „Klassengemeinschaft“ entpuppt sich in der Regel als ein Haufen zynischer, berechnender und unsympathischer Quälgeister, so dass man früh lernen muss, strategische „Freundschaften“ zu pflegen und sich bescheuerten Verhaltensnormen zu unterwerfen, um möglichst irgendwie „dazu zu gehören“. Die einen sind Streber, andere sind „Loser“ oder „Opfer“, manche sind „verpeilte“ „Nerds“ oder gar „Gutmenschen“  und den meisten ist ohnehin alles egal. Man weiß nicht, wer mehr nervt…

Außer den Lehrern natürlich! In der Regel kann man sich schon freuen, wenn man überhaupt versteht, was sie von einem verlangen, wenn man beim Lernen halbwegs mitkommt und die PädagogInnen wenigstens harmlos und durchschnittlich langweilig sind und einen ansonsten in Ruhe lassen. Nicht selten entpuppen sich LehrerInnen aber auch als wahre Tyrannen, die nicht davor zurückschrecken, ihre Schützlinge täglich zu beurteilen und zu bewerten, zu bestrafen, die Versetzung zu verhindern oder gar endgültig per Zeugnis einen Strich durch die eigene Lebensperspektive zu machen. Alles nur zum eigenen Besten versteht sich.

Und dann noch die Eltern, die einem ständig damit kommen, dass die Schule wichtig ist, wichtiger jedenfalls als Freizeit, Freunde und Neugierde auf Dinge, die einen wirklich interessieren. Wichtig nämlich dafür, dass man gute Noten kriegt, damit man es „später mal besser“ hat als sie. Dabei betonen Lehrer und Eltern immer wieder, dass sie nur das Beste für ihre Schützlinge wollen. SchülerInnentränen, Familienstreit und Lehrer-Burn-out sind dabei keine Seltenheit – zum Glück gibt es die Schulpsychologen…

Auf Klassenfahrten, im Klettergarten, beim Elternabenden und an Schulfesten wird dann das „große Miteinander“ Jahr für Jahr gefeiert. Und hin und wieder gibt es eine Notfallübung gegen Amokläufer… Am Ende hat man sich jedenfalls meist irgendwie durchgewurschelt, hat ein Abschlusszeugnis in der Hand und es geht weiter; für manche als Azubi im Betrieb,  für andere bei der Arbeitsargentur, bei der Bundeswehr, als „Bufdi“ oder eben an der Uni…

Wie passen die schönen Ideale über die Schule mit der schnöden Realität zusammen? Was soll das alles? Ist das so gewollt so oder läuft da etwas grundsätzlich schief? Und warum zeigen sich die lieben Kleinen so wenig begeistert, neugierig und dankbar, wo doch alles in ihrem Interesse passiert und auch noch kostenlos ist?

Gruppe K bietet Gelegenheit zur Information und Diskussion über den wahren Zweck der Schule im Kapitalismus, über die falschen Ideale der Pädagogen und eine ganz verkehrte Schulkritik. Aus unserer Absicht machen wir kein Geheimnis: Wissen für den Widerstand von morgen! Kostenlos, freiwillig, nur für Interessierte, ganz ohne Noten und Abschlusszeugnis.

100 Jahre nach der Oktoberrevolution:
Was wollte der reale Sozialismus?

Seit es den Kapitalismus gibt, gibt es Kritik an ihm, die auf’s Grundsätzliche zielt und ihn überwinden will. Mit der Oktoberrevolution in Russland hat sich diese linke Kritik erstmals einen Staat erobert: Der Sozialismus wurde „real“.

Hundert Jahre später existieren die Sowjetunion und die ihrem Sozialismus mehr oder weniger nacheifernden Projekte nicht mehr. Der Kapitalismus dagegen lebt munter weiter, produziert Kapitalwachstum, Armut, Krisen und Kriege.

Wir wollen einen Blick in die Vergangenheit werfen und fragen:

Was war die zentrale Kritik der früheren Sozialisten an Kapitalismus und Staat?
Wie haben sie diese Kritik in ihren Ländern praktisch umgesetzt?
Was waren die Leistungen und was die systematischen Mängel ihrer Projekte?
Und schließlich: Wohin haben die Sowjetunion bzw. China sich gewandelt?

02.11. 19 Uhr im Bahnhof Langendreer Raum 6

Um was geht es eigentlich beim G20-Gipfel? In Hamburg kommen Anfang Juli die zwanzig wichtigsten – das heißt im Klartext: die zwanzig mächtigsten und reichsten – Staatschefs der Welt zusammen. Die Welt, für deren Ordnung sie einstehen, von der sie (mehr oder weniger) profitieren und über die sie da verhandeln werden, sieht schon jetzt so aus, dass jeden Tag mehr als 25.000 Menschen verhungern und 65 Millionen vor Hunger, Krieg und Folgen des Klimawandels fliehen.

Vorstellen soll man sich den Gipfel dann jedenfalls so: Dass in den Hamburger Messehallen wieder einmal (zum wievielten Mal eigentlich?) gerungen werden muss um die Zukunft unserer Erde angesichts von ganz ganz vielen Problemen. So als hätten die G20-Staaten nichts mit dem Zustandekommen dieser Probleme zu tun, sondern wären einzig und allein für deren Lösung zuständig. So als würden sie nicht Macht ausüben in dieser Welt von Geschäft und Gewalt, sondern Verantwortung tragen für das Schicksal der Menschheit.

Ganz in diesem Sinne wird der Gipfel im Jahr 2017 auch noch als regelrechte deutsche Mission interpretiert, in der (ausgerechnet!) Deutschland für das Gute, Vernünftige, Friedliche steht. „Unsere“ Kanzlerin muss sich – so lautet die Darstellung der Qualitätspresse – momentan gegen all die autoritären, rechtspopulistischen und durchgeknallten Kollegen durchsetzen, gegen Trump, Erdogan und Putin, dabei Klima, Demokratie und Frieden retten und nebenbei auch noch die weltweiten Fluchtursachen bekämpfen.

Dafür darf und soll es sogar „zivilgesellschaftlichen“ Protest geben. Jedenfalls soweit er sich als großer Seufzer und flehende Bitte „engagierter junger Leute“ an die Mächtigen der Welt versteht, bitte noch mehr Verantwortung für die Zukunft der gebeutelten Menschheit zu übernehmen. Oder als Vorwurf an die ungeliebten Konkurrenten und Widersacher der BRD-Ambitionen, eben dieser Verantwortung mit ihrer Politik nicht gerecht zu werden. Alles andere wird dann, wie üblich, als „hasserfüllte“ „Chaoten“ bezeichnet, mit denen die schon in Hamburg versammelten 20.000 Polizisten umzugehen haben. Ein Knast inklusive Schnellgericht für festgenommene Demonstranten ist vorsorglich bereits hergerichtet.

Über all das wollen wir diskutieren am 5.7.2017 um 19 Uhr im Bahnhof Langendreer.

 

Diskussion am Donnerstag, den 3. Dezember 2016, um 19 Uhr im Bahnhof Langendreer, Raum 6.

Islamistische Terroristen aus Belgien und Frankreich töten über 130 Menschen und anschließend sich selbst. In der Folge wiederholen Bürger und Medien des Westens pausenlos Betroffenheits- und Solidaritätsbekundungen mit dem französischen Staat und seinem Präsidenten – ganz so, als hätten die Terroristen eigentlich auf ihn geschossen.

Der französische Präsident verhängt über seine Nation und seine Bürger den Notstand. Zentrale Grundrechte werden einschränkt, Militär und Presse in den Kriegsmodus versetzt, der IS in Syrien wird verschärft bombardiert und von den anderen EU-Staaten eine Beistandspflicht für einen Krieg eingefordert, dessen Ziel öffentlich nicht weiter bekannt ist. All das gilt als Folge des Terrors – ganz so, als ob die Terroristen dafür die Macht hätten.

Und auch in Deutschland ist „nach Paris“ angeblich „alles anders“, so dass verschärfte Sicherheitsgesetze, eingeschränkte Grundrechte und vor allem neue Bundeswehreinsätze in der Diskussion sind – ganz so, als wären dafür die Terroristen und nicht die gewählten Politiker verantwortlich.

In jedem Fall ist die einmütige Verurteilung des Terrors ebenso Bürgerpflicht wie die Loyalität gegenüber jenen Maßnahmen, die Politiker im Namen seiner Bekämpfung ergreifen – ganz so, als sei nationaler Fundamentalismus im Abendland nicht ebenso verbreitet wie der religiöse im Morgenland…Schlechte Zeiten also für Ursachenanalyse und kritische Fragen. Wir stellen sie dennoch:

1. Was ist, was will der politische Islam?
2. Und warum werden seine Anhänger im Nahen Osten und Westeuropa immer mehr?
3. Was ist Terrorismus?
4. Und welche Ziele verfolgen die westlichen Staaten im Namen der Terrorbekämpfung?

Auseinandersetzungen Frankreich Arbeitsmarktreformen

 

Die sozialdemokratische Regierung in Frankreich will ein neues Arbeitsrecht durchsetzen, weil sie befürchtet, dass die französischen Unternehmen ansonsten in der Konkurrenz mit den deutschen weiter zurückfallen. Sie trifft dabei auf massiven Widerstand einiger Gewerkschaften und bei Teilen der Bevölkerung, die die bedeutenden Nachteile für sich nicht hinnehmen wollen. Streiks, große Demonstrationen und Protestaktionen und ziemlich harte Auseinandersetzungen zwischen Polizei und den Gegnern des Regierungs-Vorhabens kennzeichnen seit Wochen die Lage in Frankreich.

Offensichtlich ist das, was die französische Regierung für das Wohl aller hält, gar nicht so im Interesse eines großen Teils der Bevölkerung. Anlass genug, einmal nachzudenken über das Verhältnis von Allgemeinwohl und Interesse.