Nächste Veranstaltung am 24. September im Taranta Babu:
Klimawandel lässt sich nicht abwählen!

Klimaerwärmung, Naturkatastrophen, Pandemien: Es wird schlimmer; die gut bewohnbaren Regionen in der Welt werden in den nächsten Jahrzehnten dramatisch schrumpfen; für viele Millionen Menschen geht die Welt förmlich unter.

In der Politik wird inzwischen tagtäglich die Verantwortung für das Klima und die kommenden Generationen beschworen – das haben die Klimaproteste durchaus erreicht. Allerdings sehen weder die Regierungsparteien noch die grüne Opposition die andauernde Zerstörung der Umwelt durch die Wirtschaft als Ausdruck der zweckmäßigen Rücksichtslosigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Stattdessen wird sie als verfehlte Politik und als Mangel an Regulierungen gedeutet. Die verschiedenen Parteien streiten sich darum, mit welchen Grenzwerten und Anreizen die Wirtschaft diese Transformation

bewerkstelligt. Sie streiten sich – nicht, weil strittig wäre, welche Technologie und Ressourcenverwendung sachlich gesehen klimaschädlich ist. Sie streiten sich, weil keine Maßnahme dem deutschen Wirtschaftswachstum schaden darf. Bei diesem Programm sollen wir als Wahlvolk mitgestalten:

Wir sollen dem Klimawandel einen Riegel vorschieben, indem wir bei der richtigen Partei unser Kreuzchen machen. An diesem Projekt der Vereinbarkeit von Wirtschaft und Klimaschutz wollen wir uns nicht beteiligen, wir wollen stattdessen diskutieren:

• woher der Klimawandel kommt und was Kapitalismus damit zu tun hat;

• wie der Staat diese Wirtschaft betreut und was man als Wähler überhaupt wählen kann;

• warum der Klimawandel nicht im Kapitalismus zu stoppen ist.

Ihr seid herzlich eingeladen zu unserem Diskussions- und Kneipenabend im Taranta Babu, Humboldtstaße 44, Dortmund um 18:15

Nächste Veranstaltung am 16. Juni über Zoom:
Der neue Feind im Osten: USA und Freunde gegen China

Seit Monaten ist von einem neuen „Kalten Krieg“ die Rede, den die USA gegen China begonnen haben. Dazu gehören

• ein mit harten Bandagen geführter Handelsstreit, der chinesische Waren mit Strafzöllen belegt, chinesische Firmen (Huawei) mit überlegenen Technologie-Angeboten aus westlichen Märkten drängt und ihre Manager verhaftet, chinesischen Unternehmen Beteiligungen an westlichen gesetzlich verbietet;

• das Anbahnen eines westlichen Bündnisses gegen China auf dem G7-Gipfel in London, zu dem auch Australien, Indien und Südafrika eingeladen wurden;

• US-Manöver und Scharmützel im südostasiatischen Meer („Inselstreit“), an denen sich Deutschland demnächst beteiligen will, und die Aufrüstung Taiwans;

• heftige Anklagen auf allen Ebenen (westliche Öffentlichkeit, Vereinte Nationen) gegen den chinesischen Staat, der des Genozids an einer ethnischen Minderheit, den Uiguren, und unzulässiger Repression gegen Protestierende in Hongkong bezichtigt wird.

Gleichzeitig ist immer wieder zu hören, dass die Volksrepublik mit ihrer boomenden Wirtschaft und ihrer schnellen Bewältigung der Corona-Krise zurzeit die einzige Wachstumslokomotive der Welt ist – also das Land, das den westlichen Unternehmen in einer ziemlich krisenhaften Situation überhaupt noch Geschäftsmöglichkeiten bietet. Wie passt das zusammen? Wollen die USA sich und ihren westlichen Partnern das lukrative China-Geschäft versauen? Und was stört sie eigentlich an diesem doch ziemlich nützlichen Geschäftspartner?

Seine autoritäre Staatsführung wird es wohl kaum sein – da haben die USA schon Diktatoren von ganz anderem Kaliber zu Freunden erklärt (wie den Saudi-König Salman und den Ägypter Al Sisi ) oder selbst an die Macht gebracht (wie den Schah im Iran oder Pinochet in Chile). Und bei Menschenrechtsverletzungen gegen Minderheiten, ja selbst Genoziden – mal angenommen, das sei in China so, wie es die Westpresse darstellt – sind die amerikanischen Ober-Demokraten nicht gerade zimperlich, wenn es ihnen geopolitisch in den Kram passt (so hat der türkische Nato-Partner Erdogan mit Panzern und Bomben gegen seine Kurden bisher durchaus freie Hand).

Um was also geht es beim Konflikt zwischen USA und China?

Vortrag und Diskussion mit Dr. Renate Dillmann (Autorin des Buchs „China – ein Lehrstück“)

Mittwoch 16. Juni 2021 19 Uhr unter dem Zoom-link:

https://us02web.zoom.us/j/82576062977?pwd=NWVoSTBOdHRDVkhyVEhUMjViczhiQT09

Meeting-ID: 825 7606 2977
Kenncode: 952747

chste Veranstaltung am 17.03.2021, 19 Uhr über Zoom
Nation? Gemeinschaft? Heimat?Warum wir dieses Land nicht lieben!

Nationalismus ist vielen suspekt wegen der damit verbundenen Abwertung und Verächtlichkeit gegenüber den Ausländern. Auch den Hurra-Patriotismus, der die eigene Nation ohne jede Distanz an die erste Stelle setzt und bei der WM mit schwarz-rot-gold-geflaggtem Auto rumfährt, mögen viele nicht.

Warum aber gibt es das alles? Sind das überholte und ewig-gestrige Ideen und Verhaltensweisen, die moderne, aufgeklärte Bürger der heutigen Zivilgesellschaft auch einfach sein lassen könnten? Kommt da doch wieder der „autoritäre Charakter“ zum Vorschein, der sich auf diese Art und Weise über andere erheben will? Oder was ist der Kern der „nationalen Gemeinschaft“, des „WIR“, das doch allen, auch den Kritikern der Auswüchse und Exzesse, letztlich ziemlich selbstverständlich, ja fast natürlich vorkommt?

In unserer Veranstaltung wollen wir uns mit folgenden Themen beschäftigen:

  1. Die nationale Gemeinschaft als Beschönigung der Konkurrenz- und Klassengesellschaft
  2. Die Nation als Verklärung eines Zwangszusammenhangs
  3. Die theoretische Unhaltbarkeit der populären Begründungen von Nation
  4. Die Frage, warum die kapitalistischen Gesellschaften das verlogene Gerede von der Nation brauchen
  5. Die Unterscheidung zwischen angeblich „gesundem Patriotismus“ und „schädlichem Nationalismus“

Unsere zentrale Behauptung ist: Nation als Vorstellung einer Gemeinschaft der in ihr Lebenden verklärt diese Gesellschaft, die auf Konkurrenz und Gewalt beruht. Wir wollen diese zentrale Ideologie moderner Gesellschaften in den Blick nehmen, um sie, zusammen mit den Staaten, die sie rechtfertigt, loszuwerden.

Wir laden deshalb zum aktuell bleibenden Vortrag – und vor allem: zur Diskussion! – unter dem Titel:

Nation? Gemeinschaft? Heimat?
Warum wir dieses Land nicht lieben!

17.03.2021, 19 Uhr

Link: https://us02web.zoom.us/j/86822334145?pwd=L3EvaTNFT29Ocks2bzdCOXdOTS9UUT09

Meeting-ID: 868 2233 4145
Kenncode: 934083

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Nächste Veranstaltung am 24.02.2021
Pflege – viel gelobt und schlecht bezahlt.
Was tun die Gewerkschaften?

Während der Pandemie bekommt die Pflege einige Aufmerksamkeit: Politik und Medien überhäufen das Personal mit Anerkennung & Wertschätzung. “Verantwortungsträger” bekunden, wie “systemrelevant” die Pflegeberufe sind und üben sich in Selbstkritik für die späte Erkenntnis.Lob statt Lohn? Die geheuchelte Ehrerbietung wird von den Beschäftigten nicht nur begeistert aufgenommen. Klatschvideos von Mächtigen und Prominenten wirken eben ziemlich zynisch, solange sich an der miesen Bezahlung und der hohen Arbeitsbelastung nichts ändert.Eine bessere Bezahlung sowie bessere Arbeitsbedingungen sind aber gerade nicht die Konsequenz der zur Schau gestellten Dankbarkeit! Wer das erwartet hatte, sieht sich getäuscht und erhält zum Trost einen Strauß Blumen von RTL oder eine Anerkennungsprämie vom Minister. Das hat Gründe: Das Einkommen des Personals ist erstens bekanntlich eine Kost in der gewinnorientierten Rechnung ihrer Arbeitgeber, die sie daher möglichst gering halten wollen. Zweitens wird das Geschäft mit der Pflege durch staatliche Entscheidungen bestimmt, die sich auf die Sozialversicherungsbeiträge auswirken und die Unternehmen und den Staatshaushalt belasten. Viel Leistung und wenig Lohn – gerade darin sind die Pflegeberufe auch weiterhin so systemrelevant für Staat und Wirtschaft!Bislang haben die Pflegenden sich das weitgehend bieten lassen. Und die organisierte Gegenwehr ist so schwach, dass die Gewerkschaften im Pflegebereich schlicht um ihre Anerkennung als Tarifpartner kämpfen müssen. Grundsätzliche Besserung ist nicht in Sicht.Warum eigentlich nicht? Mit welchen Strategien setzten sich Gewerkschaften für die Interessen des Pflegepersonals ein? Auf welche Gegensätze stoßen sie dabei? Und welche Widersprüche stecken in den verschiedenen gewerkschaftlichen Strategien?Diese Fragen wollen wir – für Gruppe-K übrigens eine Premiere und ein Experiment – in Form einer Podiumsdiskussion mit Betroffenen und kritischen Fachleuten klären. Als Teilnehmer*innen für das Podium haben wir eingeladen:

1. Jan von Hagen von ver.di
2. Jürgen Drebes von der Pflege-Gewerkschaft BochumerBund (BB),
3. Suitbert Cechura – Gesundheitswissenschaftler
4. Renate Dillmann – Journalistin und Autorin des Buches „Der soziale Staat“.

Schaltet Euch dazu:
https://us02web.zoom.us/j/81758642843?pwd=aVhvMURzYWI0ZXZTcTVOWWppWk9zdz09&fbclid=IwAR0PFtq5y3aen4t_E8cSkKsAdCmhH3vPidJIeLtdBQMF091ejy63e1t4k_M#success

Meeting-ID: 817 5864 2843
Kenncode: 288690

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Nächste Veranstaltung am 27.01.2021
Schulen und Corona –
Was man an dieser Debatte über die Aufgaben der Schule lernen kann

Die Schulen m ü s s e n offenbleiben, denn sie sind die „letzte Bastion“ – so hieß es immer wieder, bevor der aktuelle Lockdown kam. Und auch jetzt sollen die Schulen auf alle Fälle so früh wie möglich wieder geöffnet werden. Warum eigentlich? Alle wissen, dass die Öffnung der Schulen Infektionsrisiken mit sich bringt. Selbst wenn das für die Kleinen und Jüngeren nicht so problematisch ist, kann das Virus über sie in die Familien geschleppt werden. Und bei Lehrern sind durchaus immer wieder Coronafälle zu verzeichnen… Warum also dieses unbedingte Votum für den Präsenzunterricht?

Die wesentlichen Argumente dafür sind: Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, Entlastung der Eltern, Reduktion der Gewalt in Familien, soziale Kontakte der Kinder. Das alles soll dafür sprechen, dass der Unterricht nicht im „digitalen Klassenzimmer“ stattfinden kann, sondern im „wirklichen“.

Diese Argumente wollen wir einmal kritisch prüfen. Sie verraten unserer Meinung nach nämlich einiges über diese Gesellschaft und über die Aufgaben, die den Schulen in dieser Gesellschaft zukommen.

Coronabedingt können wir uns dazu nicht im realen Leben treffen. Deshalb werden wir Discord nutzen, um zunächst unsere Überlegungen zu diesem Thema vorzutragen und dann darüber zu diskutieren.

Wann: 27. Januar um 19:00 Uhr 1
Wo: Bei Discord auf https://discord.gg/379MtDhpP8
Wir freuen uns über euer Interesse und auf eine gute Diskussion!

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Workshop am 21.10.2020
Capitalism kills –
Das große Artensterben und seine ökonomischen Gründe

Die Veranstaltung wird im Raum 6 im Bahnhof Langendreer stattfinden und um 19 Uhr beginnen.
Wegen der aktuellen Corona-Pandemie können nur 10 Leute an dem Workshop teilnehmen. Bei Interesse meldet euch bitte unter der E-Mailadresse info@gruppe-k.org verbindlich an. Bei entsprechend großem Interesse wird die Veranstaltung wiederholt.

Es summt und brummt kaum mehr auf den Wiesen und in den Wäldern: Die Zahl der Insekten in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern, ist drastisch zurückgegangen. In Deutschland sind Dreiviertel der Fluginsekten in weniger als dreißig Jahren verschwunden. Aber nicht nur die Artenvielfalt ist zurückgegangen, auch die Biomasse an Fluginsekten ist in Teilen Deutschlands um rund 80 Prozent geschwunden. Neben den Insekten sind darüber hinaus viele andere Tier- und Pflanzenarten vom „größten Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier“ (FAZ) betroffen.
Während BUND, NABU und weitere Organisationen penibel genau die möglichen Ursachen auflisten – von Pestiziden, Monokulturen, Überdüngung, intensiver Forstwirtschaft etc. und erklären, wie „der Mensch“ daran leiden wird, wird nicht erklärt oder erst genommen, warum Pestizide, Monokulturen usw. trotz ihrer schädlichen Folgen weiter verwendet werden. Stattdessen bekommt man meist eine Handreichung, „was der einzelne tun kann“ und bestenfalls noch, was die Politik tun sollte.

Wir wollen in unserem Workshop eine Gegendarstellung diskutieren: Nicht abstrakt „der Mensch“ ist schuld am Artensterben und den Missständen, die es verursachen, sondern die kapitalistische Wirtschaftsweise mit ihren Grundprinzipien. Außerdem wollen wir bestimmen, wie Naturschutz in dieser Gesellschaft vorkommt und zu welchem Zweck er betrieben wird.


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Zu den Begründungen der zunehmenden Ungleichheit

Zur Erforschung der ökonomischen Ungleichheit wurde eine Studie im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales durchgeführt, welche genauer einschätzen sollte, wie es um das Vermögen der Reichesten beschaffen ist. Ohne einen Begriff von Arbeiter und Kapitaleigentümer zu haben, hat die Studie ganz zielsicher das obere Prozent erforscht, indem sie nach großen Firmenbesitz suchten. Zentrales Ergebnis der Studie: Ungleichheit nimmt zu, die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Das Resultat ist kaum überraschend, die Erklärung der Forscher dafür aber umso kreativer:

Für die Frage, wieso die Vermögensungleichheit zunimmt, haben die Forscher die folgende Antwort parat: „Bislang besitzt die untere Hälfte nicht nur kaum Vermögen, sie spart auch kaum für die Zukunft. Reiche hingegen sparen größere Anteile ihres Einkommens.

Die Folge: Ihr Reichtum vermehrt sich, während das geringe Vermögen der anderen stagniert.“. Die Frage, wie warum eine untere Hälfte existiert und weshalb diese untere Hälfte kaum „Vermögen“ besitzt interessiert die Forscher dabei weniger, als die Frage was die kleinen und großen Eigentümer in Deutschland mit ihrem quantitativ sehr unterschiedlichen Vermögen anfangen.

Das Ergebnis: Die Mindeslöhner, Armutsrentner, Scheinselbstständigen verschleudern was sie besitzen, wohingegen die Reichen viel vernünftiger sind und sparen.Wieso die Ungleichheit so viel größer ausfällt, als in anderen Ländern wissen die Forscher auch zu erklären: „Das hat nach Ansicht der DIW-Forscher mehrere Ursachen. Zum einen gibt es in Deutschland ein vergleichsweise gut ausgebautes Sozialsystem. Die Notwendigkeit privat vorzusorgen ist deshalb geringer als in anderen Ländern.“ Na klar! Den Armen geht es hierzulande so gut, dass sie nicht sparen. Weshalb die Reichen dann sparen, wo es denen doch noch besser geht, erklärt sich allerdings nicht.

Wem das noch nicht einleuchtet, kann vielleicht mit der nächsten kreativen Erklärung der Wissenschaftler etwas anfangen. „Zum anderen ist Deutschland traditionell ein Land der Mieter, nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wohnt in einer eigenen Immobilie. Das Geld, das in die Miete fließt, fehlt den ärmeren Haushalten zum Sparen.“ Es ist für die Armen sehr schade, dass sie nicht selbst Hausbesitzer sind, sondern die Hausbesitzer gemäß einer alten deutschen Tradition, den Bewohnern ihrer Häuser Geld abknöpfen. Ob es allerding beim Sparen dienlich ist, wenn derjenige, der ein Dach über dem Kopf will, eine Immobilie kaufen muss und dafür dann einen Kredit aufnehmen muss, den er dann verzinst abstottern muss, darf bezweifelt werden.

Moment mal! Könnte es sein, dass diejenigen, die ein Eigentum besitzen, dass sie nicht selbst gebrauchen – sagen wir eine Mietwohnung – dieses Eigentum dazu einsetzen können, sich an denen, die es benutzen wollen, zu bereichern? Auch zu dem, wie sich die Reicheren von den Ärmeren Unterscheiden kann die Studie was sagen: „Rund drei Viertel der Millionäre in Deutschland sind selbstständig oder unternehmerisch tätig. Häufig arbeiten sie in leitender Funktion. Anders als im Rest der Bevölkerung ist kaum ein Millionär angestellt. Rund ein Drittel ist in Rente, nur fünf Prozent arbeiten gar nicht. Vor allem aber legen Millionäre ihr Vermögen anders an als der Rest der Bevölkerung. Während die Mittelschicht ein Großteil ihres Vermögens in Immobilien oder Geldanlagen hält, steckt rund 40 Prozent des Vermögens der Millionäre in Firmenanteilen.“

Bestehendes Vermögen mehrt man also nicht wirksam indem man Lohnarbeiten geht, sondern indem man für sich arbeiten lässt. Um mit „Firmenanteilen“ oder „unternehmerischer Tätigkeit“ sein Vermögen zu vermehren, schaffen sie Arbeitsplätze, die sich für sie rentieren sollen, also hinreichend billig sein müssen. Sie schaffen also die Armen, die dafür sorgen, dass sie selbst reich sind. Das in so einer Gesellschaft die „Ungleichheit“ zunimmt braucht doch niemanden wundern, denn sie hat in der Klassenspaltung zwischen Kapitaleigentümern und Arbeitern ihren Grund.

Dieser Zusammenhang springt bei der Betrachtung der Zahlen eigentlich auch sofort ins Auge. Die anständigen Wissenschaftler halten sich jedoch mit der Erklärung der „Reichtumsschere“ nicht weiter auf, haben aber für die Öffentlichkeit noch ein paar aufbauende Gedanken parat, die den Armen dabei helfen sollen nicht in Sozialneid zu verfallen: Sie brauchen die Kapitalisten einfach. Denn „Ihr Vermögen ist Betriebsvermögen, an dem Arbeitsplätze, Gehälter und Steuereinnahmen hängen.“ Und weil man von Ärschen abhängt, hat man sie gefälligst auch zu lieben. Was sonst als Stockholm-Syndrom belächelt wird, ist hier als Sozialpartnerschaft und sozialer Frieden geteilter gesellschaftlicher Leitgedanke. Es ist die Kunst der bürgerlichen Wissenschaft die krasse soziale Spaltung der Gesellschaft zu beschreiben und ihr einen guten Sinn zu verpassen.

https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-07/vermoegensverteilung-deutschland-diw-studie-ungleichheit

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Fleischindustrie: „Es muss sich viel ändern, damit alles bleibt wie es ist“

oder “wie Kunden die Unternehmen mit der Tierwohlabgabe subventionieren sollen”

Die Fleischindustrie hat sich als Hot Spot in der Pandemie erwiesen. Angesichts dessen, hat die Bundeslandwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Landwirtschaftsministerinnen aus NRW und Niedersachsen zu einem „Fleischgipfel“ gebeten. Eingeladen waren die Fleischbarone, Vertreter der Bauern, der Discounter, der Gewerkschaften und Verbraucherschutzverbände. Schon vor dem Gipfel hatte sich die Ministerin für eine „Tierwohlabgabe“ eingesetzt, die sie dann auch als Ergebnis des Gipfels präsentierte.

Bezahlen sollen diese Tierwohlabgabe nicht diejenigen, die sich teures Fleisch im Bioladen oder Hofladen kaufen können, sondern zur Kasse gebeten werden die, die bei Aldi oder Lidl ihr Fleisch kaufen und die jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Sie müssen sich jetzt dreimal überlegen, ob sie sich Fleisch weiter leisten wollen/können – oder zwangsweise ihr Herz für Tiere entdecken.

Das Geld bekommen natürlich nicht „die Tiere“ – was sollten sie auch damit? Bekommen sollen es die Bauern, damit sie die Tiere nicht länger in enge Ställe einsperren, ihnen die Schwänze abschneiden oder sie ohne Betäubung kastrieren. Diesen Effekt könnten die Ministerinnen natürlich auch erzielen, indem sie diese üblichen Schweinerein der Fleischindustrie einfach verbieten. Doch mit Verboten wollen sie unseren lieben Bauern offenbar nicht kommen; mit der Abgabe soll ihnen vielmehr ein Angebot gemacht werden, das sich nicht preissteigernd auswirkt. Größere Ställe und Verzicht auf tierquälerische Praktiken bedeuten höhere Kosten bei der Produktion von Fleisch. Die aber sollen für die Abnehmer nicht entstehen. Da wird mancher Kunde von Aldi und Lidl stutzen: Sollen nicht gerade sie mehr für ihr Fleisch bezahlen? Schon, aber sie sind ja nicht die Kunden der Bauern. Das sind vielmehr Unternehmen wie Westfleisch oder Tönnies – und denen ist offenbar nicht zuzumuten, mehr für Fleisch zu bezahlen. Wie könnten sie dann noch den Weltmarkt mit Billigfleisch fluten und Kleinbauern in Afrika und Asien ruinieren?

Geniales Ergebnis des unappetitlichen Fleischgipfels: Wer bei Aldi und Lidl einkauft, darf zukünftig mit erhöhten Preisen „dem Tierwohl zuliebe“ die großen deutschen Fleischfirmen subventionieren, damit die weiterhin erfolgreich Gewinne machen können. So können verantwortungsvolle Konsumenten ihr Gewissen beruhigen und gleichzeitig ihr Scherflein dazu beitragen, dass Deutschland auch in diesem Sektor Exportweltmeister bleibt. Win-Win!

Das ist wohl Phase 1 der Fleischindustriereformen. Gegen Werkverträge und für mehr Arbeitsschutzgesetz will sich der Arbeitsminister Heil dann wohl in Phase 2 einsetzen, nachdem sich Rumänien und Bulgarien über die Behandlung ihrer Landsleute beschwert haben. Wir sind gespannt wie die Politik das wieder hinbiegt ganz ohne Kapitalinteressen zu schädigen..

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Lehre in der #Corona Krise zum inflationären Appell an “Solidarität” in einer Klassen- und Konkurrenzgesellschaft: 

“Der Begriff der Solidarität hat mit dem vorläufigen Ende einer revolutionären Arbeiterbewegung seinen Kampfcharakter verloren und ist zur moralischen Tugend, zum Synonym für Unterwerfungsbereitschaft und nationalen Zusammenhalt verkommen.”

Artikelempfehlung: Arian Schiffer-Nasserie, “Rotlicht: Solidarität” in der jungen Welt.

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Ausserdem sind kürzlich auf Heise.de zwei Artikel erschienen, die wir zum lesen empfehlen möchten:

Zu den politischen Maßnahmen der Krise sagt Renate Dillmann:

“Die Infektionszahlen sind Produkt politischer Entscheidungen – ebenso wie das Gesundheitssystem, mit dem sie jetzt bewältigt werden müssen und eben nicht bewältigt werden können. Für die Politik sieht die Sache genau umgekehrt aus: Sie muss angeblich mit dem umgehen, was sie vorfindet.”

“Angst vor dem Virus, Vertrauen auf den Staat?” bei Heise.de

Die Themen, die man im Medienrummel besser im Auge behalten sollte, beleuchtet Suitbert Cechura:

1. Corona-Pandemie – vom Fernost-Problem zum nationalen Notstand 
2. Volksgesundheit – ein Sorgeobjekt besonderer Art
3. Der Krankheitserreger: SARS-CoV-2 
4. “Wir sind gut aufgestellt” (Minister Spahn)
5. Der Auftrag: Das Gesundheitssystem retten
6. Das Ausland: ein einziger Seuchenherd
7. It’s the economy, stupid!

“Was heißt hier Volksgesundheit?” bei Heise.de