Um was geht es eigentlich beim G20-Gipfel? In Hamburg kommen Anfang Juli die zwanzig wichtigsten – das heißt im Klartext: die zwanzig mächtigsten und reichsten – Staatschefs der Welt zusammen. Die Welt, für deren Ordnung sie einstehen, von der sie (mehr oder weniger) profitieren und über die sie da verhandeln werden, sieht schon jetzt so aus, dass jeden Tag mehr als 25.000 Menschen verhungern und 65 Millionen vor Hunger, Krieg und Folgen des Klimawandels fliehen.

Vorstellen soll man sich den Gipfel dann jedenfalls so: Dass in den Hamburger Messehallen wieder einmal (zum wievielten Mal eigentlich?) gerungen werden muss um die Zukunft unserer Erde angesichts von ganz ganz vielen Problemen. So als hätten die G20-Staaten nichts mit dem Zustandekommen dieser Probleme zu tun, sondern wären einzig und allein für deren Lösung zuständig. So als würden sie nicht Macht ausüben in dieser Welt von Geschäft und Gewalt, sondern Verantwortung tragen für das Schicksal der Menschheit.

Ganz in diesem Sinne wird der Gipfel im Jahr 2017 auch noch als regelrechte deutsche Mission interpretiert, in der (ausgerechnet!) Deutschland für das Gute, Vernünftige, Friedliche steht. „Unsere“ Kanzlerin muss sich – so lautet die Darstellung der Qualitätspresse – momentan gegen all die autoritären, rechtspopulistischen und durchgeknallten Kollegen durchsetzen, gegen Trump, Erdogan und Putin, dabei Klima, Demokratie und Frieden retten und nebenbei auch noch die weltweiten Fluchtursachen bekämpfen.

Dafür darf und soll es sogar „zivilgesellschaftlichen“ Protest geben. Jedenfalls soweit er sich als großer Seufzer und flehende Bitte „engagierter junger Leute“ an die Mächtigen der Welt versteht, bitte noch mehr Verantwortung für die Zukunft der gebeutelten Menschheit zu übernehmen. Oder als Vorwurf an die ungeliebten Konkurrenten und Widersacher der BRD-Ambitionen, eben dieser Verantwortung mit ihrer Politik nicht gerecht zu werden. Alles andere wird dann, wie üblich, als „hasserfüllte“ „Chaoten“ bezeichnet, mit denen die schon in Hamburg versammelten 20.000 Polizisten umzugehen haben. Ein Knast inklusive Schnellgericht für festgenommene Demonstranten ist vorsorglich bereits hergerichtet.

Über all das wollen wir diskutieren am 5.7.2017 um 19 Uhr im Bahnhof Langendreer.